Richtig auswählen, besser kommunizieren: 14 Tipps für den gezielten Einsatz von Bildern

Einerseits sind Bilder ein unverzichtbares Darstellungsmittel in Werbung und Medien, andererseits sind sie im Internetzeitalter in nahezu unbegrenzter Masse verfügbar und allgegenwärtig. Wer also bei den Betrachtern seiner Bilder eine bestimmte Wirkung erzielen möchte, muss ihnen das gewisse Etwas bieten. Denn „08/15“-Fotos gibt es heute zur Genüge, und unser Gehirn, des Einheitsbreis überdrüssig, schiebt sie schnell zur Seite – man kann sie getrost vergessen, und das tut man auch.

© Uwe Umstätter/Westend61

Wer mit seinen Fotos Menschen erreichen möchte – egal ob er sie lediglich informieren oder ihnen etwas verkaufen möchte – muss Bilder also bewusst und gezielt einsetzen. Hierzu gibt es einige Regeln, die dabei helfen können, sich schon auf den ersten Blick von der Konkurrenz abzuheben und ihr damit unter Umständen die entscheidende Nasenlänge voraus zu sein:

  1. Bilder nach einer passenden Stimmung auswählen: die richtige „Bildersprache“ finden, die zu der Botschaft passt, die ich vermitteln möchte
  2. Bilder sollen Emotionen wecken: Eine glückliche Familie vermittelt das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, eine schöne Landschaft weckt Fernweh, ein Baby oder ein Tierkind appelliert an unseren Beschützerinstinkt, ein lecker anzusehendes Gericht macht Appetit usw.
  3. Nach Bilderideen suchen, die nicht so naheliegend sind, dass die Konkurrenz sie auch nutzt: bereits tausendmal heruntergeladene Fotos meiden
  4. Lieber ein großes, gutes und etwas teureres Bild, als mehrere mittelmäßige, kleinere und preisgünstigere Fotos: Auch hier gilt der Grundsatz „Qualität hat ihren Preis“
  5. Ein schönes Bild als geschickt platziertes Dekorationselement ist in Ordnung, aber keine „Füllbilder“ ohne bestimmten Zweck einsetzen
  6. Keine Models verwenden, wenn man eigentlich Mitarbeiter der eigenen Firma zeigen sollte – auch wenn die nicht wie Hollywoodstars aussehen, sondern eben wie Menschen wie du und ich: Gerade das signalisiert Augenhöhe, Glaubwürdigkeit und „personal touch“
  7. Wenn man Models einsetzt, kommt es auch auf scheinbare Nebensächlichkeiten wie die Haarfarbe an: Braune Haare passen in der Werbung zu Kosmetik, Schokolade und Autos; blonde Haare sind ein guter Werbeträger für Waschmittel, Milchprodukte und Zeitschriften.
  8. Licht und Farben bewusst einsetzen, denn das weckt Emotionen: dunkle Elemente wirken schwer, helle leicht. Rötliche oder gelbliche Farbtöne wirken warm, bläulich Farbtöne eher kalt. Blau steht für Treue, Rot für Energie, Liebe und Stärke, Gelb für Fröhlichkeit und Intelligenz
  9. Ein Produkt wirkt attraktiver in der Hand eines Menschen (vorzugsweise in der rechten, weil die meisten Menschen Rechtshänder sind)
  10. Grafische Anordnung beachten: Bild links, zugehöriger Text rechts. Denn die linke Gehirnhälfte nimmt besser visuelle Informationen auf, die rechte ist für das Textverständnis zuständig.
  11. Leser/User sehen zuerst auf Gesichter. Ein neutraler Gesichtsausdruck erweckt dabei mehr Aufmerksamkeit, weil der Betrachter sich fragt: „Was ist das für ein Typ?“ – und länger, oder zweimal hinsieht.
  12. Bei der Motivgestaltung auf harmonische Größenverhältnisse der Bildelemente untereinander achten, zum Beispiel unter Zuhilfenahme von Regeln wie dem „Goldenen Schnitt“
  13. Anordnung des zentralen Motivs gezielt einsetzen: mittig wirkt ruhig; weder mittig noch symmetrisch erzeugt Spannung; in der oberen Bildhälfte wirkt leicht; in der unteren Bildhälfte wirkt schwer
  14. Botschaft von Bild(ern) und zugehörigem Text müssen zusammenpassen: keine „Bild/Text-Schere“. Das Bild soll Interesse für den Text wecken und ihn unterstützen, darf aber nicht von ihm ablenken
© Jan Tepass/Westend61

Visuelle Kommunikation ist unser wichtigster Informationskanal: Untersuchungen belegen, dass wir rund 80 Prozent aller Informationen über die Augen aufnehmen. Gute Bilder wecken Emotionen und Wünsche, sie können faszinieren, begeistern, beeindrucken oder auch schockieren. Bilder werden schneller wahrgenommen als Worte, anhand eines gelungenen Fotos kann sich der Betrachter in Sekundenschnelle „ein Bild von etwas machen“. Bei erfolgreicher Werbung, aber auch im Qualitätsjournalismus spielt die geschickte Auswahl, Gestaltung und Platzierung von Bildern eine entscheidende Rolle. Denn gute Fotos heben einen Beitrag oder eine Anzeige von der Informationsflut ab, die uns tagtäglich umtost.

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Kategorien Allgemein Bildwissen
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Unter dem Label "Westend61" veröffentlichen wir Artikel im Blog, an denen mindestens zwei verschiedene Personen beteiligt waren. Denn guter Content ist ganz oft eine Sache von Teamwork - auf diese Gemeinschaftsproduktionen sind wir deswegen auch besonders stolz. Sollte jemand eine Frage zu diesen Artikeln haben, leiten wir diese natürlich an die entsprechenden Autoren oder Ansprechpartner weiter.

1 Kommentar zu “Richtig auswählen, besser kommunizieren: 14 Tipps für den gezielten Einsatz von Bildern

  1. Moin,

    zu Punkt 10: Grafische Anordnung. Die Sehnerven der Augen kreuzen sich auf dem Weg ins Gehirn, sodass die Informationen des rechen Auges in der linken Gehirnhälfte ankommen und umgekehrt. Insofern müssten Bilder und Texte genau anders herum platziert werden, um die genannte Wirkung zu erzielen. Tatsächlich sieht es aber besser aus, wenn Bilder links platziert werden. Das könnte auch daran liegen, dass Texte selbst bei Flattersatz auf der linken Seite immer bündig auf der selben optischen Achse beginnen und damit der Abstand zu einem Foto immer gleich bleibt. Das wirkt ruhiger als wenn das Bild rechts steht und der Abstand zum Text in jeder Zeile variiert. Darüber hinaus liest man in den westlichen Ländern von links nach rechts und so ist vielleicht die Aufmerksamkeit am Beginn eines Textes (also links oben) noch am größten und Bilder entfalten deshalb hier ihre größte Wirkung. Vielleicht liege ich aber auch völlig daneben…

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