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Öko und Bio – die neue Lust am grünen Leben

Die grüne Bewegung, während ihrer Anfangszeit in den 1970er Jahren von Vielen noch belächelt oder gar als fortschrittsfeindlich gescholten, ist längst in der Mitte der Industriegesellschaften angekommen. Klimawandel, Ressourcenverknappung und ein wachsendes gesamtgesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein haben in den vergangenen Jahren Öko- und Bio-Produkten einen rasanten Aufschwung beschert. Der Körner mümmelnde Birkenstock-Träger von einst wurde abgelöst vom „Gutbürger“ unserer Tage, für den Selbstverwirklichung und Konsum einerseits und Verantwortung für Umwelt und Gemeinwohl andererseits keine Widersprüche sind. Diese zahlungskräftige Mittelschicht ist einer der „Motoren“, die die neo-ökologische Bewegung antreibt und zu einem der großen Trends unserer Zeit macht.

© Kniel Synnatzschke/Westend61

Der zunehmend kritischere Blick auf die Kehrseiten der Wegwerfgesellschaft – Umweltverschmutzung, Energievergeudung und turmhohe Abfallberge – führt zu einem Wandel im Konsumverhalten. Das Postulat der Nachhaltigkeit und der Wunsch, die ökologische Balance der Welt für kommende Generationen zu erhalten, zwingt zur sparsamen Nutzung von Energie. Nicht-fossile Antriebsformen für die hochmobile Gesellschaft in Gestalt von Elektroautos, alternative Methoden zur Stromgewinnung in Form der überall entstehenden Windparks oder der Trend zum ökologischen Bauen sind nur einige Beispiele, in denen sich dieser Wandel manifestiert. Und natürlich ist hier auch der Bio-Boom bei Lebensmitteln, Kleidung, Möbeln und Kosmetik zu nennen. Lebensmittelskandale, die Auswüchse einer überindustrialisierten Landwirtschaft, aber auch ein stärkeres Gesundheitsbewusstsein lassen die Menschen bevorzugt zu Produkten greifen, die Glaubwürdigkeit vermitteln und sich guten Gewissens konsumieren lassen.

© Rainer Berg/Westend61

Es sind nicht nur diese unübersehbaren Änderungen im Konsumverhalten, die auch in den Chefetagen großer Konzerne allmählich zu einem Umdenken führen. Die grüne Bewegung schafft ganz neue Bedürfnisse und Märkte, die bedient werden wollen und generiert damit ertragreiche Geschäftsfelder. Hinzu kommt ein verlangsamtes oder stagnierendes Wachstum, das auch den pragmatischsten Wirtschaftskapitän mit der Sinnfrage konfrontiert: Immer mehr Profit, oder vielleicht doch Problemlösungen, die ökologisch und sozial vorteilhaft und deshalb im Sinne des Gemeinwohls sind – und mit denen sich durchaus gutes Geld verdienen lässt?

© Tom Chance/Westend61

So ist es logisch, dass neo-ökologische Bewegung und der Trend zu Bio-Produkten zu einem wichtigen Betätigungsfeld auch für die Werbefotografie geworden sind. Die schier unübersehbare Bandbreite an Motiven zu diesem Themenbereich in allen ihren Variationsmöglichkeiten hat ein verbindendes Element: Die Farbe Grün, die wie kein anderer Farbton für Zuversicht, Hoffnung, Frische, Wachstum, Gesundheit, Leben und unverfälschte Natur steht. Ob es der Blick auf eine blühende Landschaft aus der Vogelperspektive, ein appetitlicher Gemüsegarten im Betondschungel der Großstadt, das filigrane Muster eines tauglänzenden Blattes, die durch das grüne Dach des Waldes scheinende Sonne, das Bild vom Bioladen um die Ecke oder einfach eine schöne Landschaftsaufnahme aus dem Werbeauftritt für sanften Tourismus ist: Grün ist immer dabei.

© Klaus Leidorf/Westend61

© Sebastian Gauert/Westend61

© HalfPoint/Westend61

Im selben Maße, wie sich die früheren Widersprüche zwischen der alternativen Bewegung und der Leistungsgesellschaft auflösen, sind in der Bildersprache der Neo-Ökologie auch Motive aus dem Natur- und dem Technikbereich miteinander vereinbar, können bewusst kombiniert sogar einen besonders effektvollen Kontrast erzielen: Bunte Blüten vor dem Hintergrund avantgardistischer Architektur, Windräder als Symbole der Energiewende über einem wogenden Rapsfeld, die sich durch grüne Berghänge schlängelnde Passstraße, das zarte Pflänzchen, dass sich mit unbeirrbarer Zähigkeit durch den Riss einer Betondecke ans Licht arbeitet – vom Menschen und seiner Technik gezogene gerade Linien erscheinen im reizvollen Nebeneinander mit den scheinbar regellosen Formen der Natur, die in Wahrheit nur ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten folgt. Dabei legt Mutter Erde eine unübertreffliche Kreativität an den Tag, die uns Menschen inspirieren kann – und zwar nicht nur beim Blick durch den Sucher einer Kamera.

Mehr Bilder zum Thema findest Du hier.

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