Muskelmotor statt Abgaswolke: Der Fahrrad-Boom ist ungebrochen

Nach wie vor gilt Deutschland als die Autobauer-Nation schlechthin, zählen doch die großen Autokonzerne zu den Flaggschiffen unserer Wirtschaft. Doch unter dieser Oberfläche deutet sich seit einigen Jahren ein Wandel an: Immer mehr Menschen schwingen sich wieder aufs Fahrrad. Inzwischen haben Untersuchungen ergeben, dass zumindest in den großen Städten das Fahrrad für Entfernungen bis zu fünf Kilometern durchaus das Vehikel der Wahl ist. Denn wer in die Pedale tritt und sich den Wind um die Nase wehen lässt, fühlt sich nicht nur freier als hinter einem Lenkrad, sondern kommt häufig auch schneller ans Ziel.

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Es sind nicht nur praktische Gründe wie Staus und damit verbundener Stress, Parkplatzprobleme und hohe Kosten, die viele zum zumindest zeitweiligen Umstieg auf den Drahtesel bewegen. Das Fahrrad gilt als trendige Fortbewegungsmethode für alle Schichten und Altersgruppen: Da strampelt der graumelierte Zwirnträger aus dem Bankenviertel neben dem Arbeiter auf dem Weg zur Schicht, die Mutter mit Kindern im Anhänger neben dem schicken Hipster, der sehnige Hobby-Triathlet neben der rüstigen älteren Dame mit Einkaufskorb. Wer Fahrrad fährt, gilt als umwelt- und gesundheitsbewusst, sportlich, flexibel, kreativ und clever.

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Was lange Zeit das Auto war, wird nun in verstärktem Maß der gute alte Drahtesel, nämlich ein Statussymbol – freilich in ganz neuer Aufmachung: Ebenso vielfältig wie die Pedalritter auf dem Sattel sind die Variationen, in denen das Fahrrad daherkommt. Egal ob als City-, Mountain-, Touren-, Trekking-, E- oder sonstiges Bike – hochwertige Fahrräder sind ein Lifestyle-Produkt, mit denen man nicht nur von A nach B kommen, sondern auch seinen Typ unterstreichen kann.

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Die Eindeutschung des englischen Begriffs „Bike“ signalisiert zudem die Internationalität des Phänomens. Der Trend, der seit ein paar Jahren in Deutschland immer mehr Anhänger gewinnt, ist in anderen Ländern schon weiter gediehen: Die dänische Hauptstadt Kopenhagen gilt bereits als die „Radfahrer-Hauptstadt“ der Welt. Dort radelt mittlerweile etwa die Hälfte der Einwohner täglich zur Arbeit. Die ganze innerstädtische Infrastruktur ist auf die Benutzbarkeit durch Radfahrer ausgerichtet und die Kopenhagener legen täglich im Schnitt 1,2 Millionen Kilometer mit dem Fahrrad zurück; mit der U-Bahn sind es gerade einmal 660 000 Kilometer.

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Die strampelnden Massen, die da die Innenstädte erobern, bewegen die Politik zum Umdenken. Das hat auch hierzulande Folgen für die Städteplanung: Bei Überlegungen zur künftigen Verkehrsführung kommt man am Aspekt der „Bikeability“ nicht mehr vorbei. Die sanfte grüne Revolution artikuliert sich nicht in Sprechchören und Transparenten – sie rollt leise auf zwei Reifen.

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