Megatrend Mobilität: Ein Leben in ständiger Bewegung

Wie haben Sie heute Ihren Frühstückskaffee genossen – gemütlich daheim am Küchentisch oder unterwegs als „coffee to go“? Letztere Variante, der Pappbecher mit dem Plastikdeckel oben drauf, ist deutliches Indiz dafür, dass viele Menschen heutzutage oft auch im „Ruhe-Modus“ – wozu sollen Kaffepausen sonst gut sein? – in Bewegung sind. Es sind manchmal vermeintlich nebensächliche Kleinigkeiten wie diese, in denen sich große Trends manifestieren: Wir sind eine Gesellschaft in ständiger Aktion. Der Faktor Mobilität, schon immer ein Kennzeichen moderner Industriegesellschaften, hat ungeahnte Dimensionen erreicht und ist zu einem der beherrschenden Megatrends unserer Tage geworden.

© Milton Brown/Westend61

Jahrzehntelang war für die meisten von uns das Auto Inbegriff von Mobilität. Und es war nicht nur ein Mittel zur Fortbewegung von A nach B, sondern auch Statussymbol, Ausdruck eines Lebensgefühls und rollendes Mittel zur Selbstdarstellung: „Zeig mir, welches Auto Du fährst, und ich sage Dir, wer Du bist.“ Das ist auch heute noch so, doch das Verhältnis zum Auto als Transportmittel hat sich in Zeiten von Dauerstau, Rush Hour und innerstädtischem Verkehrskollaps gewandelt – und „des Deutschen liebstes Kind“ hat Konkurrenz bekommen.

Denn während das Auto in ländlichen Gebieten für viele Menschen mangels öffentlicher Nahverkehrsangebote nach wie vor unentbehrlich ist, geht in den Ballungsräumen der Trend zu alternativen Formen der Mobilität. Die Fahrradfahrer erobern die Innenstädte zurück und geben oft fröhlich pfeifend dem übelgelaunten Boliden-Lenker in der ausgebremsten und hupenden Blechkarawane das Nachsehen: Das Fahrrad, lange Zeit manchmal als Notbehelf für Habenichtse, Umweltapostel und Menschen ohne Führerschein bespöttelt, hat sein angestaubtes Image abgelegt und erlebt eine Wiedergeburt in neuer Form – als cooles und trendiges Verkehrsmittel. Aus dem klapprigen alten Drahtesel ist inzwischen ein hochwertiges Lifestyle-Produkt geworden, das man mit Individualität, Jugendlichkeit und Fitness verbindet.

Die Städteplaner reagieren zunehmend auf diesen Zweiradtrend und legen ihr Augenmerk auf die radlerfreundliche Umgestaltung der Innenstädte. Wie das funktioniert, zeigt das Beispiel Kopenhagen: Laut Zukunftsinstitut pendeln dort rund 50 Prozent der arbeitenden Bevölkerung täglich auf zwei Reifen zwischen Wohnung und Job. Diese Quote macht die Hauptstadt Dänemarks gleichzeitig zur Radler-Hauptstadt der Welt.

© Florian Küttler/Westend61

Natürlich ist dieser Trend zur grünen Mobilität nicht überall auf der Welt gleich stark ausgeprägt: In den aufstrebenden Wirtschaftsnationen Asiens, allen voran China, ist eine zahlungskräftige und konsumfreudige Mittelschicht entstanden, die nach wie vor in erster Linie auf das Auto setzt. Dementsprechend stark ist dort die Nachfrage nach westlicher Automobiltechnologie gestiegen. Doch auch dieser Markt wird eines Tages gesättigt sein, und die Autokonzerne sind gezwungen, die Entwicklung alternativer Antriebssysteme beizeiten zu forcieren. Die Vorboten einer Trendwende hin zur elektronischen Mobilität sind bereits unübersehbar und in wachsender Zahl auf unseren Straßen unterwegs: Hybrid- und Elektrofahrzeuge und in naher Zukunft serienreife Möglichkeiten des autonomen Fahrens läuten ein neues Zeitalter der Mobilität ein.

© Guntmar Fritz/Westend61

Der wachsenden Mobilität der modernen Gesellschaft entspricht die Flexibilität, mit der heute viele Menschen die unterschiedlichen Formen der Fortbewegung nutzen – je nachdem, welches Verkehrsmittel gerade die beste Verbindung gewährleistet: Auto, Bahn, Bus, Zug, U- und S-Bahn, Flugzeug, Fahrrad oder auch mal ein Stück zu Fuß. Das knapper werdende Parkplatzangebot in den wachsenden Städten – auch der ungebremste Zuzug in die Metropolen ist ein Indiz für die Mobilität unserer Zeit – hat in Gestalt von Mitfahrzentralen und Car-Sharing-Angeboten neue Geschäftsfelder generiert. Nach dem Prinzip „Teile, was Du hast“ geht die Entwicklung weg vom Besitzen-Wollen zum Miteinander-Nutzen – übrigens nicht nur bei Autos, sondern auch zunehmend bei Fahrrädern.

Aber es ist nicht nur die Notwendigkeit von einem Ort zum anderen zu kommen, die die Menschen in Bewegung hält. Auch die Arbeitswelt hat sich in Zeiten der mobilen Internetnutzung stark verändert. Berufliche Werdegänge sehen heute ganz anders aus als vor 40, 30 oder auch nur 20 Jahren, Mobilität und Flexibilität sind heute gefragter denn je. Die Möglichkeit, einen Job jederzeit von beinahe jedem Ort aus erledigen zu können hat – zusammen mit der voranschreitenden wirtschaftlichen Globalisierung – dazu beigetragen, dass nicht nur die Menschen selbst mehr unterwegs sind, sondern auch ständig eine schier unübersehbare Menge an Daten um den Globus schwirrt.

© Kniel Synnatzschke/Westend61

Die digitale Revolution hat auch der Fotografie völlig neue Möglichkeiten eröffnet. Heute ist es möglich, aus beinahe jedem Winkel der Welt in kürzester Zeit Bilder um den halben Erdball zu schicken: Das ist die Quelle, aus der Westend61 und seine Fotografen schöpfen. Das bedeutet aber auch, dass sich die Kreativen an der Kamera einer großen Konkurrenz stellen müssen – was sie zu erhöhter Mobilität auf der Suche nach ansprechenden Motiven zwingt.

Keine Frage: Wir leben in bewegten Zeiten. Als vor etwa 200 Jahren die ersten Eisenbahnen fauchend und dampfend durch England zuckelten und das Zeitalter der technisierten Fortbewegung begann, befürchteten einige durchaus gebildete Fortschrittsskeptiker, dass die Fahrgäste bei der astronomischen Geschwindigkeit von anfangs etwa 40 km/h dem Wahnsinn verfallen könnten. Man meinte, der Mensch sei nicht dafür geschaffen, sich mit diesem Tempo durch die Gegend zu bewegen. Wie wir wissen, war diese Furcht unbegründet. Unzweifelhaft ist aber auch, dass die mobile Revolution in ihren verschiedenen Stufen bei allen Chancen immer auch eine Herausforderung für den ans Fußgängertempo gewöhnten Homo sapiens darstellt. Deshalb ist es wichtiger denn je, immer mal wieder die eine oder andere Kaffeepause einzulegen – am besten auf einem Stuhl am Tisch sitzend und aus einer richtig schönen Kaffeetasse – und nicht „to go“.

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1 Kommentar zu “Megatrend Mobilität: Ein Leben in ständiger Bewegung

  1. Albrecht Weißer

    Zum „Intro-Bild“ fällt mir Folgendes ein …

    „Beim Radfahren ist das Handy tabu …
    Wenn Sie kein Knöllchen beim Radfahren kassieren möchten, sollten Sie auf eine Fahrt mit Handy am Ohr besser verzichten. Haben Sie allerdings ein Knöpfchen im Ohr und die Hände frei, ist gegen ein Telefonat rein rechtlich nichts einzuwenden.

    Generell sei die Nutzung des Handys auf dem Fahrrad komplett verboten, bringt es der Rechtsexperte des ADFC Bremen (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club), Roland Huhn, gegenüber der dpa auf den Punkt. Während der Fahrt auf dem Rad zu telefonieren, sei nicht nur allgemein, sondern auch rein rechtlich ein riskantes Unterfangen. Es sei vergleichbar mit dem Telefonieren im Auto – auch hier müssen die Hände frei sein. Es darf nur über einen Knopf im Ohr oder über eine Freisprecheinrichtung telefoniert werden. …“ (STVA.de)

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