Konsumfreudig, aber kritisch: Herausforderung „Silver Society“

Als Udo Jürgens vor ziemlich genau 40 Jahren seinen Hit „Mit 66 Jahren“ landete und darin das Bild eines aktiven und lebenslustigen Rentners zeichnete, war das noch ein Gegenentwurf zu Selbstbild und Lebenswirklichkeit der meisten damaligen Ruheständler. Erstaunlich, dass das Lied kaum noch zu hören ist, denn es ist heute aktueller denn je: Steigende Lebenserwartung und sinkende Geburtenzahlen bewirken einen tiefgreifenden Wandel in der Altersstruktur der westlichen Gesellschaften. Der Ruhestand wird zunehmend nicht als letzte Lebensphase, sondern als beste Lebenszeit begriffen und gestaltet: Die „Silver Society“ ist auf dem Vormarsch und generiert einen wirkungsmächtigen Trend.

© Roger Richter/Westend61

Der demografische Wandel hat bereits begonnen, und er wird sich weiter fortsetzen: Man geht davon aus, dass sich die Altersgruppe der über 80-Jährigen bis zum Jahr 2050 in Deutschland verdreifachen wird; dann wird jeder dritte Deutsche älter als 65 Jahre alt sein. Das bedeutet nicht nur, dass die gesamte Infrastruktur zunehmend auf ältere Menschen ausgerichtet werden muss und beispielsweise der Pflegesektor immer mehr an Bedeutung gewinnen wird. Mit dem demografischen Wandel geht auch eine Änderung der Lebensstile im Alter einher.

© Uwe Umstätter/Westend61

Die heutigen Senioren sind insgesamt aktiver, gesundheitsbewusster, gesünder, neugieriger und interessierter als frühere Rentnergenerationen – sie stehen „mitten im Leben“. Gleichzeitig ändert sich die Einstellung des jüngeren Teils der Gesellschaft gegenüber den Älteren. In Zeiten wachsenden Fachkräftemangels werden auch in den Unternehmen Tugenden wie Erfahrung, Weisheit und Wissen und damit ältere Mitarbeiter wieder stärker geschätzt. Der Jugendkult hat Konkurrenz bekommen.

© Jo Kirchherr/Westend61

Die Rentner von heute (und morgen) sind oft auch finanziell besser gestellt und konsumfreudiger – und werden damit zu einer wichtigen Zielgruppe für die Werbung. Man geht davon aus, dass derzeit in Deutschland rund 70 Prozent des gesamten Geldvermögens im Besitz von Menschen im Alter von über 50 Jahren ist. Diese Zahl macht deutlich, welches Käuferpotenzial die „Silver Society“ besitzt. Der Begriff steht schließlich auch weniger für ergrautes Haar als für die Hoffnung, sich gezielte Angebote an diese Altersgruppe „versilbern“ zu lassen. Aber bei der Erschließung dieser Käuferschicht besteht noch Nachholbedarf, zum Beispiel im Internethandel, der vornehmlich auf die Bedürfnisse und Gewohnheiten jüngerer User zugeschnitten ist, der aber verstärkt auch von der älteren Generation entdeckt wird.

© Rainer Berg/Westend61

Die steigende Zahl älterer Kunden ist nicht nur eine Chance, sondern auch eine Herausforderung für Handel und Dienstleistung: Ältere Konsumenten sind aufgrund ihrer Lebenserfahrung oft kritischer und erfordern mehr Überzeugungsarbeit, um zu einer Kaufentscheidung bewegt werden zu können. Dies ist ein Umstand, auf den sich die Werbebranche und damit auch die Werbefotografie einstellen müssen. Glaubwürdigkeit des Anbieters und Qualität eines Produkts sowie die Vermittlung dieser Eigenschaften im Bild werden an Bedeutung gewinnen – und damit wird es wichtiger, zur Illustration von Werbung nicht „irgendein“ Foto zu nutzen, sondern eines, das die gewünschte Botschaft wirkungsvoll an den Betrachter der entsprechenden Zielgruppe sendet.

Mehr Bilder zum Thema findest Du hier.

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