Ins rechte Licht gerückt

Eine der wichtigsten „Zutaten“ für ein gutes Foto ist das richtige Licht. Nicht umsonst bedeutet der griechische Ursprung des Worts Fotografie so viel wie „Zeichnen mit Licht“. Die Lichtgebung beeinflusst die Wirkung eines jeden Bildes wie kaum ein anderer Faktor. Bei der Vorbereitung einer Aufnahme steht also die Frage „Wann ist das Objekt optimal beleuchtet?“ im Mittelpunkt. Denn mit dem Winkel zwischen Lichtquelle, Motiv und Kamera ändert sich die Ausleuchtung des Motivs und damit die Stimmung der Aufnahme.

© Fotoagentur WESTEND61/Westend61

Zwar gibt es eine ganze Reihe künstlicher Beleuchtungsmethoden, doch um eine möglichst authentische Wirkung zu erzielen, ist natürliches Licht die erste Wahl. Da die Quelle dieses Lichts die Sonne ist, die im Tagesverlauf ihre Bahn über den Himmel zieht, ist der Sonnenstand von großer Bedeutung. Denn die Richtung des einfallenden Lichts entscheidet darüber, wie der Fotograf sein Objekt darstellt, indem er es aus diesem oder jenem Winkel „be-lichtet“.

Zwar besagt eine alte Fotografenregel, dass man die Lichtquelle im Rücken haben sollte, wenn man auf den Auslöser drückt, doch lohnt es sich bisweilen, von dieser Maxime abzuweichen: So bevorzugen Landschaftsfotografen – und nicht nur sie – das seitlich einfallende Licht der tiefstehenden Sonne am Morgen oder Abend, weil es für Struktur und Tiefe sorgt und Konturen in der Landschaft hervortreten lässt. Und auch Gegenlicht kann interessante Gestaltungsmöglichkeiten bieten, wenngleich es durch die Gefahr von Kontrastminderung, Unterbelichtung und Blendenflecken erhöhte Anforderungen an das Können des Fotografen stellt.

Wie in der Natur, gilt oft auch in der Fotografie der Grundsatz: Der frühe (…oder späte…) Vogel fängt den Wurm. Morgens und Abends herrschen oft die vorteilhaftesten Lichtverhältnisse. Weil die Sonne dann tief über dem Horizont steht, muss das von ihr abgestrahlte Licht einen weiteren Weg durch die Erdatmosphäre zurücklegen als zu anderen Tageszeiten. Das sorgt für warme Farbtöne und den bekannten rötlichen Schimmer. Die Stunden um die Mittagszeit hingegen sind eher ungünstig für Aufnahmen im Freien, weil dann die hochstehende Sonne kurze, aber dunkle Schatten wirft.

Aber nicht nur die Richtung des Lichts, sondern auch die Beschaffenheit der Lichtquelle entscheidet über Qualität und Stimmung der Aufnahme: Eine große Lichtquelle sorgt für weiches Licht mit weniger Schattenwurf, eine kleine Lichtquelle verbreitet hartes Licht mit deutlich konturiertem Schatten. Auf das Sonnenlicht übertragen bedeutet dies, dass ein bewölkter Himmel diffuses Licht bewirkt, weil die Wolkendecke sozusagen als Filter wirkt, der das Licht streut; umgekehrt wirft die von einem wolkenlosen Firmament lachende Sonne ein hartes Licht, weil sie dann als vergleichsweise kleine (aber umso stärker leuchtende) Lichtquelle wirkt.

Grauer und blauer Himmel sind zwei Enden einer Skala von Lichtstimmungen, auf der viele Zwischentöne möglich sind: Art und Grad der Bewölkung, Windstärke und damit Zuggeschwindigkeit der Wolken, Luftfeuchtigkeit, aber auch Luftverschmutzung sind weitere Faktoren, die die Qualität des Lichts beeinflussen; bewusst wahrgenommen und genutzt, lassen auch sie sich als fotografische Gestaltungsmittel einsetzen.

Denn wie ein begabter Maler die doch immer gleiche Farbpalette immer wieder zur Schaffung neuer, noch nie gesehener Impressionen nutzt, kann ein kreativer Fotograf das Licht in einer Unzahl von Variationen und Intensitäten für seine Arbeit einsetzen. Das zeigt schon ein flüchtiger Blick in die Westend61-Bilderstrecke zum Thema: Gesichter, auf denen Helligkeit und Schatten spielen, wirken markanter und wecken Interesse.

© Jana Fernow/Westend61
© Kniel Synnatzschke/Westend61

Durch eine Scheibe fotografierte Menschen in einem Raum kontrastieren mit der Außenwelt, die sich auf der blanken Glasfläche widerspiegelt.

© Gustafsson/Westend61
© Steve Brookland/Westend61

Gegenlicht lässt die scharf konturierten Silhouetten von Personen deutlich hervortreten.

© Matthias Buchholz/Westend61
© Klaus Mellenthin/Westend61

Seitlich einfallendes Licht modelliert die Muskulatur von Athleten und lässt sie wie in Stein gemeißelt erscheinen.

© Matthias Drobeck/Westend61
© Matthias Drobeck/Westend61

Das schwindende Licht des Tages betont Konturen, lässt Grashalme golden aufleuchten und sorgt für einen magischen Schimmer – oder es steht neben künstlichen Lichtquellen wie einer starken Taschenlampe, die ins blaue Nichts strahlt.

© Kike Arnaiz/Westend61
© Ramon Espelt/Westend61

So unübersehbar vielfältig die Gestaltungsmöglichkeiten mit Licht sind – ein grundlegendes Merkmal von Qualitätsfotografie ist die richtige, weil situations- und motivgerechte Beleuchtung der abgebildeten Situation. Denn sie lenkt den Blick des Betrachters auf das Wesentliche – und hilft so den Kunden von Westend61, ihr Thema oder ihre Produkte in ein vorteilhaftes Licht zu rücken.

Mehr Bilder zum Thema findest Du hier.

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Kategorien Allgemein Bildwissen
Hubertus Stumpf

Hubertus Stumpf (49) weiß als langjähriger Zeitungsredakteur, dass ein guter Text nur die halbe Miete ist, wenn es darum geht, die Aufmerksamkeit der Leser zu gewinnen – genauso wichtig ist ein gutes Bild, das den Betrachter in den Text zieht. Der studierte Germanist ist ein Mann der schreibenden Zunft, beschäftigt er sich aber seit einiger Zeit auch verstärkt mit den Möglichkeiten der Digitalfotografie.

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