Filmborn App oder die digitale Nostalgie

Als Anfang des Jahres die Firma Kodak die Medienwelt mit der Nachricht überraschte, ein paar von den alt-ehrwürdigen Foto-Filmen (namentlich Ektachrome und vielleicht sogar Kodachrome) wieder auf dem Markt zu bringen, war die Aufregung in der Fotografenwelt groß.

Die letzte Rolle Ektachrome war aufgrund mangelnder Nachfrage 2012 produziert worden und ein paar Jahre zuvor war schon Kodachrome langsam aus den Regalen verschwunden. Aber auch der Erfolg von „The impossible Project“, mit dem die gute alte Polaroid Kamera wieder auf dem Markt gebracht wurde, bekräftigen einen Trend in der Fotowelt, den man durchaus mit „digitaler Nostalgie“ umschreiben kann.

Aber woher kommt dieser Trend? Warum möchten so viele Fotografen heute mit der Ästhetik von gestern fotografieren? Vielleicht liegt es daran, dass in einer Welt, in der sich vieles um den schnellen Konsum dreht, in der jeder mit jedem vernetzt ist und Momente flüchtig und fast achtlos „weggewischt“ werden, viele Menschen mit dem analogen Look nostalgische Gedanken verbinden – und eine Zeit, in der die Welt noch langsamer und bedächtiger war.

Die Verbindung der modernen digitalen Welt mit dem Charme der alten Technik ist wohl auch der Grund für den Erfolg vieler Apps, die auf dieser Sehnsucht aufbauen: Sie kombinieren die schnelle und unkomplizierte digitale Produktion mit dem traditionellen oder klassischen Look der analogen Fotografie.

© Rik Rey/Westend61
© Mel Stuart/Westend61
© Sandra Roesch/Westend61

Vielen Fotografen dürfte Mastin Labs ein Begriff sein, eine Firma, die sich auf die Emulation von Foto-Film aus analogen Zeiten mittels Lightroom-Presets spezialisiert hat. Mit dieser Technik werden eine Reihe von Foto-Filmen (von Fuji, Kodak und Ilford) aus dem analogen Entwicklungslabor in die moderne digitale Fotografie übertragen. Mit einer App bringt Mastin Labs diese Möglichkeit nun auch auf das Smartphone.

Vorhang auf für „Filmborn“. Mit Hilfe dieser App (vorerst nur für IOS, eine Android Version soll laut Hersteller in der Pipeline sein) kann man auf eine sehr intuitive und einfache Art Bilder machen, die den oben erwähnten „analogen touch“ transportieren. Hierfür stehen in der kostenlosen Version neun Foto-Film Emulationen zur Verfügung:

 

 

 

 

Fuji 160NS, Fuji 400H, Fuji 800Z,


Ilford Pan-F, Ilford HP5, Ilford Delta 3200,


Kodak Portra 160, Kodak Portra 400, Kodak Portra 800

 

 

 

 

Um diese Looks anzuwenden, kann man entweder die app-eigene Kamera nutzen oder schon vorhandene Bilder aus der eigenen Bildersammlung wählen. Die zur Verfügung gestellten Einstellungsmöglichkeiten beinhalten alles, was man sich an Reglern wünschen kann: Weißabgleich, Fokus, Helligkeit, Kontrast, Format, Kurven, Ausrichtung – und natürlich auch die diversen Foto-Film Emulationen.

Was aber einzigartig an dieser App ist, ist die Möglichkeit, sämtliche Einstellungen der Kamera in einer Live-Preview zu sehen. So kann der Fotograf sofort sehen, wie das Motiv mit den gewählten Einstellungen wirkt und, falls nötig, die Parameter ändern.

Im Anschluss kann man diese individuell gewählten Einstellungen in sogenannten „Kits“ speichern (diese Möglichkeit besteht nur nach einen In-App-Kauf), so dass man diese bei Bedarf schnell aufrufen und sofort wieder einsetzen kann.

Ein interessantes Merkmal ist auch, dass man diverse Hintergrundinformationen zu den einzelnen Foto-Filmen lesen kann. Dies dürfte für die jüngere Generation durchaus von Interesse sein, wenn sie mehr über die Eigenschaften der jeweiligen Foto-Filme erfahren möchte, wie z.B. Eigenschaften, Einsatzbereiche und Beispielbilder.

Zusammenfassung

Pros: Live-Preview, kostenlose Basisversion, intuitive Bedienung

Cons: keine RAW Unterstützung, nur IOS (z.Zt.), hoher Batterieverbrauch im Live-View-Mode

Die App kann und wird natürlich niemals ein vollwertiger Ersatz für den analogen Film sein – aber sie bringt uns ziemlich nah an die bewährten Ergebnisse aus der Dunkelkammer heran. Und zwar ganz ohne Chemikalien und Wartezeiten.

Du findest die App hier:

(Sämtliche Logos und Produktbilder sind Eigentum von Mastin Labs)

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Kategorien Allgemein Know-How Technik
Kristian Peetz

Fotografie ist Kristians Passion seit er 15 Jahre alt ist. Schon seit früher Kindheit hatte er die Gelegenheit, an viele Orte dieser Welt zu reisen . Dadurch bekam er die Chance, seinen Blick zu trainieren und offene Augen dafür zu haben, besondere Momente mit seiner Kamera einzufangen. Seiner Meinung nach geht es in der Fotografie vor allem darum, solche Momente zu konservieren und Erinnerungen einzufangen, um später die Emotionen, die man an bestimmten Orten und Plätzen hatte, wieder zum Leben zu erwecken.

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