Emotion, Dynamik, Aktivität:
 Rottöne setzen starke Akzente

In der breitgefächerten Farbpalette, die dem Fotografen zur Gestaltung eines Bildes zur Verfügung steht, sticht eine Farbe ganz besonders hervor – Rot. Denn diese Farbe hat durch ihre Signalwirkung für das menschliche Auge ungleich mehr Präsenz als andere Farben. Ein kräftiger Rotton eignet sich aufgezeichnet dafür, die Aufmerksamkeit des Betrachters auf ein bestimmtes Motiv oder einen bestimmten Ausschnitt des Bildes zu lenken.

© WALTER G. ALLGÖWER/Westend61

Keine andere Farbe ist so mit starken Emotionen verknüpft wie Rot: Es steht für Freude, Erotik, Leidenschaft, aber auch für Zorn, blinde Wut und Aggression, für Leben, Energie, Wärme, für das Feuer der Liebe ebenso wie für flammendes Inferno und höchste Gefahr. Überall auf der Welt und über alle kulturellen und sprachlichen Grenzen hinweg wird Rot als Warnfarbe verstanden, die den Betrachter auf potenzielle Gefahren aufmerksam macht. Und das gilt sowohl im Bereich menschlicher Kommunikation – man denke hier an Verkehrsschilder oder Verkehrsampeln – als auch im Tierreich: Nicht umsonst signalisieren giftige Tier und Pflanzen oft durch eine rote Färbung: „Komm mir nicht zu nahe“. Ein besonders interessantes Beispiel ist die kleine, aber hochgiftige Spinne namens Schwarze Witwe, die auf ihrem Leib Schwarz als die Farbe des Todes und Rot als die Farbe für Gefahr vereint, und das mit gutem Grund…

Manchmal darf ein bisschen Gruseln sein, schließlich steht Rot nicht zuletzt auch für absichtlich oder versehentlich vergossenes Blut.

© RAMON ESPELT/Westend61
© MIRIAM DÖRR/Westend61

Aber uns interessiert hier natürlich mehr die positive Seite dieses Bedeutungsspektrums, denn schließlich wollen wir uns an schönen Bildern freuen. Rot weckt nicht nur starke Gefühle, sondern setzt auch kräftige Akzente in Bildern, die ansonsten von Grau- und Weißtönen oder generell dezenteren Farben dominiert werden.

© GEMMA FERRANDO/Westend61

Im sportlichen Bereich steht Rot für Dynamik, Action und manchmal auch Risikobereitschaft.

© DANIEL WASCHNIG PHOTOGRAPHY/Westend61
© JO KIRCHHERR/Westend61
© RAMON ESPELT/Westend61

Die gerade aktuellen Winterfotos lassen Rottöne besonders gut zur Geltung kommen, denn schließlich symbolisiert diese Farbe mehr als jede andere die Wärme, nach der wir uns in der kalten Jahreszeit sehnen. Und ein warmes Rot wirkt umso mehr, wenn es mit dem kalten Weiß von Eis und Schnee kontrastiert.

© RAMON ESPELT/Westend61
© MAREEN FISCHINGER/Westend61

Da möchte man sich doch gleich einen (natürlich roten) Glühwein einschenken… Aber auch in Verbindung mit eher kühl wirkendem Blau kommt ein warmes Rot außerordentlich gut zur Geltung.

© SCOTT MASTERTON/Westend61

Interessant ist auch der Kontrast Rot-Grün, der gemäß der Farbpsychologie Aktivität und Dynamik (Rot) neben die beruhigende und ausgleichende Wirkung von Grün stellt und so eine gewisse Spannung erzeugt.

Rot ist nicht gleich Rot: Die feurig-explosive Glut eines Vulkanausbruchs verdeutlicht die faszinierende, aber manchmal auch zerstörerische Kraft der Natur.

© MARTIN RIETZE/Westend61

Das purpurne Rot der „Lady in Red“ verströmt hingegen eine Aura sinnlichen, aber auch etwas verruchten Begehrens.

© FOTOAGENTUR WESTEND61/Westend61

In seiner pinkfarbenen Ausprägung wirkt Rot als Ausdruck frechen und provokativen Selbstbewusstseins. Als zartes Rosa hingegen wirkt Rot eher besänftigend und romantisch. Auch in der Welt der Mode dient die Farbe dazu, den Träger eines roten Kleidungsstücks in Szene zu setzen und von seinem Umfeld abzuheben. Das gilt nicht nur für die Damenwelt, mit der Rot im Allgemeinen assoziiert wird,

© UWE UMSTÄTTER/Westend61

sondern auch für modebewusste Herren, die ihren Auftritt gerne mit einer roten Krawatte als textilem Ausrufezeichen unterstreichen.

© GIORGIO FOCHESATO/Westend61

Einen besonderen Akzent setzen rote Gegenstände, wenn es sich dabei um menschengemachte Dinge in ansonsten vom Menschen fast unberührter Natur handelt: die schon fast klassische britische Telefonzelle in der Abgeschiedenheit der schottischen Highlands;

© LYZS/Westend61

die Funktionsjacke eines Mountainbikers unter dem stahlblauen Himmel eines Alpenpanoramas;

© HANS HUBER/Westend61

ein moderner Trekkingrucksack in der Zeitlosigkeit der peruanischen Anden.

© FOTOFEELING/Westend61

Ganz klar, dass die Werbung den Aufmerksamkeitsfaktor von Rot in unübersehbarer Vielfalt nutzt; man muss sich nur einmal ansehen, wie viele Produkte in einem roten Design gestaltet sind, das ihnen schon allein dadurch einen hohen Wiedererkennungswert sichert. Für die Werbefotografie bedeutet das nun aber nicht, gleich den ganzen Farbeimer und damit auch das Kind mit dem Bade auszuschütten: Gute und hochwertige Bilder leben vom dezenten, aber durchdachten Einsatz solcher Gestaltungsmittel. Sie „erschlagen“ den Betrachter nicht mit einem dominanten Farbton, sondern bringen ihn, sorgsam dosiert und in Wechselwirkung mit anderen Farben, umso stärker zur Geltung.

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Kategorien Aktuelles Allgemein
Hubertus Stumpf

Hubertus Stumpf (49) weiß als langjähriger Zeitungsredakteur, dass ein guter Text nur die halbe Miete ist, wenn es darum geht, die Aufmerksamkeit der Leser zu gewinnen – genauso wichtig ist ein gutes Bild, das den Betrachter in den Text zieht. Der studierte Germanist ist ein Mann der schreibenden Zunft, beschäftigt er sich aber seit einiger Zeit auch verstärkt mit den Möglichkeiten der Digitalfotografie.

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