Auch schlechte Bilder wirken – 
aber nur als Kontrast für gute

Wir haben an dieser Stelle schon mehrfach unter verschiedenen Aspekten darüber gesprochen, was ein gutes Bild ausmacht. Heute wollen wir die Sache einmal von der anderen Seite beleuchten und der Frage nachgehen, wodurch ein Bild negativ wirken kann. Hierzu muss man sich nur einmal das müde dahin dümpelnde Treibgut in der allgegenwärtigen Bilderflut ansehen. Denn die Digitalisierung hat leider nicht nur den Zugriff auf eine unübersehbare Vielfalt an Fotomotiven erleichtert, sondern auch Berge an visuellem Müll aufgetürmt.

Schlechte Fotos passieren das reizüberflutete Auge des Betrachters im günstigsten Fall im Bruchteil einer Sekunde, ohne die geringste Spur im Gedächtnis zu hinterlassen; im ungünstigsten Fall bleiben sie als schlechtes Beispiel und erfolglose, weil plumpe Werbung in Erinnerung. Das kann, wenn es nur genügend schlecht gemacht ist, durchaus der Erheiterung des Betrachters dienen – doch für denjenigen, dessen Auftritt ein solches Bild eigentlich unterstützen sollte, ist es schlichtweg eine Blamage und nichts weiter als Negativwerbung.

© Milton Brown/Westend61

Deshalb hier ein paar Punkte, die man bei der Bildauswahl beachten sollte:

  • Nicht am falschen Ende sparen: Lieber ein gutes, als mehrere mittelmäßige Bilder, denn Masse ist eben nicht Klasse.
  • Bilder niemals als Lückenfüller einsetzen, sondern bewusst und richtig platziert als Blickfang.
  • Keine veralteten Motive verwenden: Der immer gleiche lustige Bub, der seit anno Tobak genussvoll in die Knackwurscht beißt, im richtigen Leben aber inzwischen zweifellos einen ergrauten Bart hat, ist nicht unbedingt ein guter Werbeträger für frische Lebensmittel.
  • Keine nichtssagenden Standardmotive: Der vertrauensvolle Händedruck oder der nette Onkel mit dem jovialen Lächeln vermitteln heute keine knackige Werbebotschaft mehr (…außer vielleicht für Schlaftabletten …). In einer Zeit der zunehmenden Austauschbarkeit von Produkten kommt es verstärkt darauf an, das Interesse potentieller Kunden mit einer originellen und individuell auf das Produkt zugeschnittenen Bildersprache zu wecken.
  • Ein Bild darf niemals langweilig sein: Es soll Emotionen wecken, indem es überrascht, schockiert, ängstigt, erfreut, provoziert, erheitert, schmeichelt – aber es darf den Betrachter niemals kalt lassen.
  • Unklare Botschaften sind keine Botschaften: Ob der schweifende Blick am Bild „hängenbleibt“ oder nicht, ist eine Frage von Sekunden(bruchteilen). Diese kurze Zeitspanne muss genügen, um die Message des Bildes unmissverständlich ins Bewusstsein des Betrachters zu schicken. Ein gutes Bild kann das – aber nur wenn es wirklich Aussagekraft hat.
  • „Text-Bild-Schere“ vermeiden: Wenn das Bild als Illustration und Aufmerksamkeitsanker für einen Text verwendet wird, müssen das Foto und seine Botschaft zum Geschriebenen passen. Ist das nicht der Fall, sind Irritationen oder sogar ungewollte komische Effekte beim Leser die Folge. Beispiel aus den Medien: Das routinemäßig zur Bebilderung von Polizeimeldungen benutzte Bild eines mit Blaulicht und Vollgas dahin brausenden Streifenwagens kann missverstanden werden, wenn es neben der Headline „Raser mit 100 in der Ortschaft geblitzt“ steht …

Bei Beachtung dieser Regeln kann der eingangs erwähnte Bilder-Müllhaufen auch zum Vorteil werden, wenn man daran geht, den eigenen Auftritt zu illustrieren – indem man sich nämlich bewusst macht, welches Motiv nicht nur unverwechselbar die gewünschte Botschaft senden, sondern sich auch vorteilhaft vom gängigen Einerlei abheben könnte. So betrachtet, haben schlechte Bilder auch ihre Daseinsberechtigung – aber nur als Kontrastfolie, auf der wirklich gute Fotos umso stärker zur Geltung kommen.

Der Weg zum guten Bild führt immer über Qualitätsfotografie und damit durch die bunten, kreativen Bilderwelten von Westend61.

© zerocreatives/Westend61
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Kategorien Allgemein Bildwissen Know-How
Hubertus Stumpf

Hubertus Stumpf (49) weiß als langjähriger Zeitungsredakteur, dass ein guter Text nur die halbe Miete ist, wenn es darum geht, die Aufmerksamkeit der Leser zu gewinnen – genauso wichtig ist ein gutes Bild, das den Betrachter in den Text zieht. Der studierte Germanist ist ein Mann der schreibenden Zunft, beschäftigt er sich aber seit einiger Zeit auch verstärkt mit den Möglichkeiten der Digitalfotografie.

1 Kommentar zu “Auch schlechte Bilder wirken – 
aber nur als Kontrast für gute

  1. Dem ist praktisch nichts hinzu zu fügen.

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